Kannst du auf Kommando lachen?

Foto by Kathrin Stamm

Lachen? Geht gar nicht jetzt. „Nein, in dieser Situation kann ich nicht zum WDR und ein Interview über Lachyoga geben. Da will ich fröhlich und beschwingt rüberkommen und soll sicher auf Kommando lachen. Das geht jetzt gar nicht!“ schoss es mir zuerst durch den Kopf nach dem Telefonat mit meiner Freundin.

Mit Lachen kannst du deine Stimmung positiv verändern – ha ha ha.

Du hast schon gehört, wie hilfreich Lachen sein kann zur Stimmungsaufhellung und Positivität. Und denkst dir – soweit die Theorie. Auf Kommando fröhlich sein und lachen? Wenn es mir gut geht, o.k. Aber was mache ich an den zahlreichen Stunden und Tagen, wo ich weder Anlass noch Stimmung zum Lachen habe? Wo es verdammt ernst ist oder vielleicht frustrierend, traurig oder gar richtig ärgerlich? Da wäre Lachen wirklich das allerletzte, was mir in den Sinn käme! Und genauso war es bei mir an diesem Tag und ist es gelegentlich wieder. Nur weil ich Lachtrainerin bin, laufe ich nicht den ganzen Tag freudetanzend und lächelnd durch die Gegend. Die natürlichen Wechselfälle des Lebens ereilen mich wie jeden anderen auch.

Wie sieht das nun mit „Lachen auf Kommando“ aus, wenn die Herausforderung besonders groß ist?

Zurück zu jenem Tag mit dem Interview anlässlich des Weltlachtags. Im Telefonat mit meiner Freundin hatte ich kurz vor meiner Abfahrt ins Studio erfahren, dass ihr Kind überraschend und unerwartet gestorben ist. Der Alptraum aller Eltern, auch meiner. Ich war fassungslos, bestürzt und durcheinander. Ich muss wie gelähmt eine Weile da gesessen haben und nicht darauf geachtet haben, wie die Zeit verging. Dann begann ich die Stimmen im Kopf und die Gefühle sortieren. Eigentlich sollte ich schon im Auto sitzen. „Ich muss da anrufen und absagen“ fuhr es mir durch den Kopf. „Das kannst du doch jetzt nicht machen“ „Das hilft deiner Freundin auch nicht, wenn du den Termin sausen lässt.“– so ähnlich ging es ein Weilchen hin und her mit den inneren Stimmen. Dann siegte der Teil in mir, der sagte: „Kathrin, du bist Profi, du bringst anderen Menschen lachen bei, auch wenn sie sich schwer tun. Du sagst, auch wenn die Stimmung völlig im Keller ist, sollen sie es tun. Jetzt beweise es dir bitte selbst. Wenn nicht jetzt – wann dann? Niemandem ist gedient, wenn du jetzt in Verwirrung und Schock einfrierst und in Apathie verbleibst.“ Sie hatte Unterstützung von ihrer Familie und war nicht allein. Mittlerweile war so viel Zeit verstrichen, dass es knapp wurde. Es muss eine lähmende Apathie gewesen sein, die mich eine Zeit lang ausgeknockt hat. Ich packte jedoch meine sieben Sachen und bretterte nach Köln. Unterwegs rief ich an, dass ich ein paar Minuten später sei. Zur Sicherheit jonglierte man ein wenig mit der Sendezeit. Und ich hatte die Gelegenheit, mich im Auto während der Fahrt mit ein paar Lachübungen vorzubereiten.

Dann war ich im WDR-Studio angekommen und los ging‘s. Es gelang mir tatsächlich zu switchen. „Fake it until you make it!“ – Tu so als ob, das reicht völlig aus. Ich erzähle es in meinen Workshops. Und ich hielt mich dran. Fröhlich und locker erzählte ich von den Wirkungen des Lachens und Lachübungen, die in vielen Lebenslagen hilfreich sein können. Natürlich demonstrierte ich eine Lachübung und staunte selbst wie es funktionierte. Bingo. Danach ging ich sogar wie geplant zum Weltlachtag-Treffen und lachte mit vielen Kollegen und Bekannten in der Öffentlichkeit. Denn ich spürte, wie gut mir das Lachen gerade an diesem Tag tat. Wie sich meine Stimmung wieder aufhellte. Seitdem ist mir klar wie nie zuvor, dass es für mich extrem hilfreich sein kann, mich zum Lachen zu „zwingen“. Auch wenn mir gar nicht danach zu Mute ist. Unzählige Male habe ich es bei weniger extremen Anlässen getestet.

 Wie funktioniert Lachen auf Kommando, wenn dir gar nicht danach zumute ist?

Wer in einigermaßen behüteten Verhältnissen aufgewachsen, hat als Kleinkind 300-400 Mal am Tag gelacht. Spontaner Ausdruck der Emotionen – sowohl der angenehmen wie z. B. Überraschung und Freude, als auch der unangenehmen wie Frust, Ärger und Traurigkeit ist kleinen Kindern noch zu Eigen. Sie können vor allem schnell wechseln zwischen den Extremen. Hast du kleine Kinder beobachtet? Sie fallen hin, weinen und laufen zu Mama und dann abrupt von jetzt auf gleich lachen sie und spielen weiter. Die Muster sind in unserem Gehirn noch abgelegt, wenn vielleicht auch teilweise blockiert und weniger zugänglich. Durch Training lässt sich die Nervenblockade reduzieren. Neuronen, die mehrfach zusammen gefeuert haben, sind durch Einzeltrigger wieder aktivierbar. Und zwar im Gesamtzusammenhang. D.h. wenn ich eine Übung mache, in der ich so tue als ob ich lache und z. B. eine Grinse-Grimasse ziehe oder noch tiefer gehende Lachübungen, aktiviere ich einen Teil der Neuronen – nämlich den motorischen Teil. Dieser ist aus früherer Zeit noch mit den dazugehörigen Emotionen in Verbindung: Spontanität, Neugier, Offenheit, Freude… Das hat uns als Kinder einmal ausgezeichnet, sonst hätten wir gar nicht lernen und uns entwickeln können. Insofern wird über die Motorik auch das dazugehörige Gefühl (oder mehrere Gefühle s.o.) aktiviert und die entsprechenden Stoffwechselvorgänge in Gang gesetzt. Die sogenannten Glückshormone werden produziert. Mehr dazu in meinem Blogartikel „Warum du täglich mindestens 10 Minuten lachen solltest!“

Vera F. Birkenbihl erklärt das in einem ihrer Vortrag (Pragmatische Esoterik) Minute 24 – 27 mit einem herrlich pointierten Satz: D.h. (Mit dem So-tun-als-ob-Grinsen) „dass wir als Gehirnbenutzer im Gegensatz zum Gehirnbesitzer, der sein Gehirn nur spazieren trägt, mit unserem Denkhirn unsere älteren Gehirnteile austricksen können.“ Die älteren Gehirnteile sind diejenigen, die durch Stress aktiviert werden und die Kampf-. Flucht- oder Erstarrungsreaktion auslösen. Genau die sind aktiv, wenn du z. B.  Ärger hast (Kampf-, Fluchtimpuls) oder in meinem Fall war es die durch Betroffeneheit und Trauer ausglöste Erstarrungsreaktion: Apathie, wie gelähmt sein. Wenn natürlich wirklich akute körperliche Gefahr besteht, mache ich selbstverständlich keine Lachübung (obwohl das auch entwaffnend sein könnte), sondern setze das biologische Programm um. Das ist jedoch selten der Fall. Meistens sind es irreale Bedrohungen oder Gefahren – wie in meinem Fall ein Tod im Freundeskreis. Hier ist die klassische biologische Stressreaktion wenig hilfreich. Dann, und nur dann, macht es Sinn, aktiv positiven Einfluss auf meine Stimmung und die Klarheit meines Denkens nehmen. Denn Lachen bedeutet immer auch eine Unterbrechung eingefahrener Reaktions- und Gedankenschleifen. Warum also diesen Trick nicht aktiv nutzen? Übrigens konsequent zu Ende gedacht nutzen wir das denkende Gehirn lediglich für die Entscheidung eine Lachübung zu machen. Der Rest läuft dann über die Körperintelligenz, (s.o.) Zwar kann die Vorstellung bereits sehr hilfreich sein, der körperliche Nutzen der Motorik durch den entsprechenden Bewegungsablauf, der imitiert wird, verstärkt den Effekt jedoch deutlich. So geht die Übung genau:

Die Kurzvariante der Musterunterbrechung mit Lachen – Übung:

Nimm für einige Sekunden einen Stift quer zwischen die Zähne. Das kannst du nur, wenn du den Mund dazu ziemlich breit ziehst und ihn gleichzeitig öffnest. Wie das beim Lachen natürlicherweise geschehen würde. Probiere es auf jeden Fall zuerst mit einem richtigen Stift. Denn du wirst staunen, wie weit du den Mund dabei in die Breite ziehen musst, das würdest du sonst vielleicht nicht tun. Wenn du diese Erfahrung hast, kannst du beim nächsten Mal diese Grimasse machen ohne den echten Stift. Beobachte, wie sich deine Stimmung bereits ein klein wenig verändert und wie du danach wieder klarer über die Situation von eben nachdenken kannst. Ein erster Schritt ist getan. Probier’s direkt aus!

Wenn die kleine Miniübung Lachen auf Kommando nicht genügt

O.k. zugegeben – diese kleine Übung ist schon recht nett und vielfach hilfreich. Jedoch für tiefer greifende Musterunterbrechungen auf langfristige Sicht reicht sie manchen Menschen nicht.

  • Möchtest du tiefer einsteigen in die „Lachmaterie“?
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Wie immer freue ich mich über Feedback und Kommentare mit deinen Erfahrungen zum Thema. Ausserdem darfst du ihn gerne teilen – Danke!

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Kathrin Stamm

Mein Motto als Coach & Trainerin: weniger ist mehr! So zeige ich dir, wie du mit einfachen und leicht in den beruflichen Alltag zu integrierenden Tools von nur wenigen Minuten täglich deine Konzentrations-, Entscheidungs- , Kommunikationsfähigkeit sowie deine Widerstandskraft steigerst. Das schenkt dir mehr Energie für die wirklich wichtigen Dinge!

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6 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Ja schon 2x hab ich (u.a. heute) 30 Min im Auto gegrinst und gelacht. Ich glaub, Zuschauer/-hörer hätten mich einliefern lassen. Aber meinen Kopfschmerzen haben dadurch etwas nachgelassen, noch wichtiger war aber, trotz weiterhin Schmerz, dass die damit verbundene depressiven Gedanken verschwanden. Auch sehr viel wert. Danke.

    • Das finde ich ja beeindruckend! Danke für das Teilen dieser Erfahrung!
      Intensives Lachen setzt u.a. schmerzlindernde Endorphine frei. Das müsste man der Polizei dann ggf. erklären :-)

  2. Liebe Kathrin,

    tatsächlich kann ich auf Kommando lachen. Ich brauche das besonders dann, wenn ich SEO-mäßig viel zu lernen habe:-))) Lachen hat sofortige Wirkung auf die Stimmung.

    Unser Gehirn trickst uns ständig und schafft es oft, uns in Problemtrance zu versinken (Irrtum des Kopfes). (Energieräuber)
    Wir können auch das Gehirn austricksen, indem wir einen Stift zwischen Zähnen halten. Die Lachmuskeln werden aktiviert und das Gehirn schüttet Glückhormone aus:-))) (wissenschaftliches Experiment). Damit haben wie die Handlungsenergie.

    Dein Lachkurs ist exzellent, Kathrin: Sehr gut sehr gut jaaaaaaaa:-))) Vielen Dank!

    Liebe Grüße
    Soheila

    • Ich freu mich über deinen Kommentar, liebe Soheila! Ja genau – besser lernen und konzentrieren ist auch ein toller Effekt. Herzliche Lachgrüße und weiter viel Spaß!

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